Projekt "Handwerk ohne Ausgrenzung" prämiert
Der Klever Bezirks- Schornsteinfegermeister Josef Gietemann aus Kleve nahm aus den Händen des Ministers für Generationen, Frauen, Familien und Integration des Landes Nordrhein Westfalen, Armin Laschet und Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen den dritten Platz beim Wettbewerb „Grenzüberschreitungen: Chancengleichheit in Europa – eine Chance für NRW” entgegen.
Der Schornsteinfegerbetrieb aus Kleve erhielt die Auszeichnung für sein Engangement bei der Integration von jungen Menschen mit Behinderung in der Arbeitswelt. Am Eingliederungs-Engagement des Kleinstbetriebs von Bezirksschornsteinfegermeister Josef Gietemann überzeugte die Juroren die besondere Betreuungsleistung eines dreiköpfigen Teams, das gleich zwei schwerbehinderten Jugendlichen den Berufseinstieg ermöglicht. Der körperlich gehandicapte 18jährige Tobias Fonck lernt hier im zweiten Ausbildungsjahr den Schornsteinfegerberuf. Der 21jährige gebürtige Ukrainer Oleg Kyrylenko, seit einem Unfall querschnittgelähmt, begann im Sommer bei Gietemann eine Ausbildung zum Bürokaufmann. Die Jury konnte beiden Lehrlingen einen geglückten Berufsstart und ihren Ausbildern erstklassige berufspädagogische Arbeit bescheinigen. Fonck bereitet sich derzeit auf die Zwischenprüfung vor; Kyrylenko ist der erste Lehrling mit Querschnittslähmung in Ausbildung im Schornsteinfegerhandwerk des Landes Nordrhein Westfalen.
Zu dem dreiköpfigen Team gehören seine Mitarbeiter Christof Haarhoff und Stefan Welberts die ebenfalls mit der Ausbildung der jungen Menschen betraut sind. Beide sind ehrenamtlich als Arbeitnehmervertreter in der Vollversammlung der Handwerkskammer Düsseldorf für Kolping aktiv.
„Klar bin ich stolz, dass so etwas anerkannt wird”, sagte Kyrylenko nach der Veranstaltung. „Es war schon ein schönes Gefühl auf der Bühne”, fand auch Fonck. Der erhabene Rahmen der Preisverleihung – der prunkvolle Karlssaal im historischen Rathaus in Aachen, wo jährlich der Karlspreis verliehen wird – gab dem Thema besondere Bedeutung.
„Es ist ein besonderer Beitrag, weil es ein kleines Unternehmen ist”, betonte Minister Armin Laschet in seiner Laudatio bei Übergabe der Auslobung. Gietemann, der ehrenamtlich dem Berufsbildungsausschuss der Handwerkskammer Düsseldorf angehört, erklärte, ein Beispiel für andere Handwerker geben zu wollen: „Es ist die Mühe wert, sich mit behinderten Menschen zu beschäftigen.” Doch die Anerkennung, der Stolz und die Freude über das Erreichte halten deutlich länger an als diese drei Minuten vor den Kameras.
Die Chancengleichheit galt es bei der Abschlussveranstaltung des Europäischen Jahres der Chancengleichheit zu unterstreichen. Doch neben der Ansprache der Familienministerin Ursula von der Leyen („Unterschiede bereichern unser Leben”), überzeugte gerade der Klever Kleinbetrieb wie er da auf der Bühne stand: Der sozial eingestellte Unternehmer Gietemann, der strahlende, an den Rollstuhl gebundene Kyrylenko und der in traditioneller Schornsteinfegertracht erschienene Fonck. Chancengleichheit zum Anfassen.
Der erste Platz ging an den Behinderten-Sportverband und den Sportjugendring NRW für den barrierefreien Taschenkalender für Mädchen „Kalendrina”. Platz zwei: Mobile e.V. Dortmund mit dem Programm „Begleitete Elternschaft. Den dritten Platz teilte sich Gietemann mit dem Essener Reinigungsservice Droske, der ebenso zwei Behinderte eingestellt hat.
Zu Gast war ebenso die Luxemburgische Integrationsministerin Marie-Josée Jacobs. Volker Boeckenbrink, Fachberater der Handwerkskammer Düsseldorf, freute sich sehr für das Klever Unternehmen: „Das ist eine Riesensache hier”. Am Erfolg der beiden Preisträger habe die Fachberatung der Handwerkskammer Düsseldorf und des Landschaftsverbands Rheinland, sowie des Integrationsfachdienstes „besonderen Anteil“, betonte Josef Gietemann bei der Preisverleihung in Aachen.



















